„In The Lineup“ stellt euch, unseren Lesern, einige der Freunde und Verbindungen vor, die wir in den letzten fünf Jahren beim Aufbau von Surf Tribe geknüpft haben.
Auch wenn diese Interviews – trotz des irreführenden Titels – nicht wortwörtlich im Line-up stattgefunden haben, bleibt das Gefühl dasselbe:
Du paddelst herum, blickst zum Horizont, auf der Suche nach dem nächsten Set, und entdeckst ein bekanntes Gesicht im Line-up, das auf seine Welle wartet. Du kennst diesen Surfer nicht wirklich, aber du hast ihn schon öfter im Wasser gesehen. Eigentlich ziemlich oft, wenn du so darüber nachdenkst.
Aber hey, wie schaffen es diese Leute, so viel Zeit im und am Meer zu verbringen? „Haben die keinen Job?“ denkst du, während dir gleichzeitig auffällt, dass du selbst fast jeden Tag im Wasser bist. „Hast du keinen Job?“
„In The Line-up“ erzählt die Geschichten von Menschen, die sich bewusst für einen langsameren Lebensstil am Meer entschieden haben. Sie fühlen sich nicht nur von dieser scheinbar sinnlosen, aber bereichernden Aktivität namens Surfen angezogen, sondern vor allem von einem Leben, das mehr mit ihren persönlichen Zielen und Werten im Einklang steht – statt mit dem, was die Gesellschaft von ihnen erwartet.
Wir haben Elina zum ersten Mal in Baleal (Portugal) getroffen. Schnell entstand eine enge Freundschaft, mit viel gemeinsamer Zeit im und außerhalb des Wassers. Während sie diese Fragen beantwortet, ist sie allerdings weit weg von Portugal und fotografiert an der North Shore von Oahu.
Lies weiter, um mehr über Elina zu erfahren.
Hey Elina, erzähl uns ein bisschen über dich!
Hey! Danke für die Einladung zu diesem Interview. Ich finde es großartig, was die The Surf Tribe Community macht, und freue mich, meine Geschichte hier zu teilen!
Ich bin Fotografin, Filmemacherin und leidenschaftliche Abenteurerin, hehe. Ich bin in der zweitgrößten Stadt im Osten der Ukraine aufgewachsen. Die Entfernung zur Natur hielt meinen Vater nicht davon ab, mit unserer Familie an Orte zu fahren, an denen wir uns frei bewegen konnten, also gingen wir oft ans Schwarze Meer zum Campen. Surfen habe ich dort allerdings nicht entdeckt. Stattdessen plante ich als Erwachsene eine Reise nach Island und schrieb einer Freundin, von der ich dachte, sie sei vor einiger Zeit dort gewesen. Es stellte sich heraus, dass sie noch nie in Island gewesen war, aber sie lud mich stattdessen nach Portugal ein.
Und so kam es - ich landete in Portugal, und da ich seit meiner Kindheit eine starke Verbindung zum Element Wasser hatte, war es unmöglich, dass ich mich nicht für das Surfen begeistern würde.

Wenn du etwas an deinem Lebensstil geändert hast, gab es da einen bestimmten Moment oder ein Ereignis, das dir bewusst gemacht hat, dass du diese Veränderung vornehmen musstest?
Oh, es gab viele solcher Momente und viele Veränderungen. Das Leben ist unvorhersehbar, und man muss sich den Winden anpassen! Diese Reise nach Portugal hat mir definitiv geholfen, mein Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nachdem ich mehr als 20 Länder bereist hatte, wurde mir klar, dass ich nicht mehr fern vom Meer und der Natur leben konnte. Ehrlich gesagt hatte ich vor diesem Ereignis das Gefühl, dass alles in meinem Leben in die falsche Richtung lief. Ich glaube, mein innerer Lebenskompass sagte mir einfach, dass ich mich erden, mein Leben vereinfachen und zu den wesentlichen Dingen des Lebens zurückkehren musste. Und irgendwie bot mir Surfen alles. Das Zeichen war zu deutlich, haha. Ich war total bereit dafür; es fühlte sich an wie eine Rückkehr zu dem, was ich einmal war, und es fühlte sich richtig an.
Wie sieht dein Leben derzeit aus, Elina, und welche spannenden Reisen und Projekte stehen als Nächstes an?
Im Moment steckt mein Leben zwischen Ländern fest. Ich bin ein Mensch ohne festen Wohnsitz, aber in zwei Stunden lande ich endlich auf Hawaii, also habe ich eigentlich keinen Grund, mich zu beschweren. Das ist mein nächster Trip und mein aktuelles Projekt. Gemeinsam mit Simon Hetrick arbeite ich an einer neuen Episode von „See You Next Time“ mit dem Titel „Marketplace“. Ich hoffe, dass ich bald mehr Details dazu teilen kann!
Kannst du uns mehr über dein aktuelles Videoprojekt „Camel Milk“ erzählen?
Oh, „Camel Milk“ ist etwas ganz Besonderes!
Ich hatte schon seit ein paar Jahren davon geträumt, nach Marokko zu reisen. Mein Plan war, meine gesamte Ausrüstung mitzunehmen, dorthin zu fahren, um zu filmen und zu fotografieren, und alles Weitere nach meiner Ankunft zu regeln. Ich hatte Simon schon etwas früher kennengelernt, und als ich ihm von meiner Idee erzählte, war er begeistert, mitzukommen, da der Forecast gut aussah. Also taten wir uns zusammen, und am Ende filmte ich ihn während des gesamten Trips. Ich glaube, die Tatsache, dass wir beide darauf bedacht waren, uns von allem Vertrauten zu lösen und ganz in die Kultur und das Erkunden einzutauchen, machte das Video zu mehr als nur einem typischen Surfvideo.
Als jemand, der kürzlich zum ersten Mal in Marokko war: Wie waren deine Eindrücke von diesem Land?
Mein erster Gedanke war buchstäblich: „Oh nein, hier werde ich dick!“ Das Essen war unglaublich! Gott, ich vermisse es so sehr!
Haha, okay, ich mache nur Spaß – das war mein zweiter Gedanke. Mein erster Gedanke war: „Oh mein Gott, ich bin in Afrika!“ Die Farben, die Sehenswürdigkeiten … und die Wellen! Am Morgen nach unserer Ankunft haben wir gleich einen ersten Surf-Check gemacht, und die Wellen waren der Hammer! Genau das sieht man im ersten Teil des Videos.
Ich liebe es, wie „Camel Milk“ sich so roh anfühlt. Da ich viel Zeit in Marokko verbracht habe, finde ich es toll, dass der Film nicht überproduziert wirkt, sondern sich mehr darauf konzentriert, wie es sich tatsächlich anfühlt, dort zu sein – und das vermittelt er perfekt. Welche Tools hast du genutzt, und war diese Atmosphäre etwas, wonach du aktiv gesucht hast?
Danke, Gian! Ich weiß deinen Kommentar wirklich zu schätzen, vor allem von dir als jemand, der schon so viel in Marokko unterwegs war! Okay, Tool Nummer eins: Sei freundlich und respektvoll gegenüber den Locals, dann wirst du mehr sehen. Tool Nummer zwei: Such dir Spots ohne Menschenmassen und fernab vom Tourismus. Wenn die Wellen nicht liefen, sind wir ins Landesinnere gefahren, weg von der Küste, um zu sehen, wie das echte Marokko aussieht. Tool Nummer drei: Mach einfach dein Ding und nimm überall drei Kameras mit hin!
Irgendwelche Lieblings Orte oder Sessions aus deinem Surftrip durch Marokko?
Mein Lieblingsort ist der Tajine-Spot bei Boilers, unsere Sessions… davon gab es viele gute, aber die erste wird mir wahrscheinlich immer als die bemerkenswerteste in Erinnerung bleiben! Am Morgen nach unserer Ankunft wussten wir, dass es abgehen würde. Also sind wir direkt bei den ersten Lichtstrahlen los, um die Wellen zu checken. Zehn Minuten nach Fahrtbeginn haben wir schon Lines gesehen, die sich um die Küste wanden. Die Wellen waren überall entlang der Strecke, und wir waren völlig aus dem Häuschen! Wir hielten zufällig an einem Spot an, der wahnsinnig aussah und an dem niemand draußen war! Es schien riskant, ins Wasser zu gehen, aber die lokalen Fischer haben uns freundlich geholfen. Ich stellte meine Kamera auf und sah mich um. Die Aussicht war so unberührt und wild; ich stand buchstäblich mitten im Nirgendwo, umgeben von nichts als Kakteen und Höhlen im Hintergrund.

Ein paar unvergessliche Momente?
Auch hier gab es wieder so viele! Ich würde sagen, bei einem kleinen Mädchen am Straßenrand Muscheln kaufen. Beim nächsten Mal bin ich zu ihrem Camp gegangen, wo sie gerade frisch aus dem Meer gefangene Muscheln säuberten, alle in dem Camp wollten mich aus ihren Händen füttern, was einfach super süß war! Ein anderes Mal kam ich zu spät zum Abendessen in unserer Unterkunft, also aß ich gemeinsam mit den Locals, die dort arbeiteten. Wir aßen alle von einem großen Teller … es war ein köstliches Couscous mit Rindfleisch und Gemüse. Einige aßen mit den Händen und teilten jedes Stück Essen mit mir.
Ich liebe es, dass die meisten Menschen (sogar Surfer!), wenn man sie nach ihren unvergesslichsten Reiseerinnerungen fragt, fast immer Momente echter Verbundenheit mit Einheimischen nennen. Allerdings ist Marokko nicht immer das einfachste Land, in dem man sich zurechtfindet; gab es während deines Monats dort auch schwierige Momente?
Ja, definitivt! Es gab ein paar sketchy Momente … aber nichts, was nicht gut ausgegangen wäre! Trotzdem war es auf jeden Fall ein ziemliches Erlebnis. Am Tag vor unserem Rückflug beschlossen wir, uns Marrakesch anzusehen, wahrscheinlich der einzige touristische Ort, den wir letztendlich besucht haben. Es war fast eine vierstündige Fahrt von unserer Unterkunft entfernt. Wir kamen gegen Mittag dort an, parkten das Auto und machten einen Spaziergang. Als wir gegen 20 Uhr zum Parkplatz zurückkamen, konnten wir das Auto nicht finden. Anscheinend war es abgeschleppt worden. Irgendwie fanden wir heraus, wo die Polizeistation war, gingen dorthin und stießen direkt am Eingang auf Gefangene, die uns anflehten, sie freizulassen. Wir mussten schließlich einen verrückten Prozess durchlaufen, um unser Auto zurückzubekommen, und pendelten zwischen dem Abschlepphof, einer Geldüberweisung am Bahnhof und schließlich dem Hinterzimmer einer Polizeistation hin und her, bevor wir das Auto endlich bekamen. Gegen Mitternacht machten wir uns endlich auf den Rückweg. Anscheinend passierte unseren Freunden am nächsten Tag genau dasselbe.

Du bist eine erfolgreiche Analogfotografin: Wie lässt sich das mit deiner Videoarbeit vereinbaren?
Danke! Ehrlich gesagt hilft mir das sehr. Ich bin es gewohnt, meine Aufnahmen sorgfältig auszuwählen, also wann auch immer ich filme, verfolge ich denselben Ansatz. Es muss immer visuell ansprechend sein. Farben und Bildkomposition müssen Hand in Hand funktionieren! Ich arbeite gerne mit Dynamik und Rhythmus, sowohl in der Fotografie als auch im Video. Die Arbeit in beiden Bereichen beeinflusst sich gegenseitig. Jedes Mal, wenn ich fotografiere, denke ich über das Storyboard nach und darüber, was dabei herauskommen wird. Ich glaube, diese Gewohnheit hat sich nach meinem Filmstudium entwickelt. Manchmal kann es eine Herausforderung sein, beides zu kombinieren, aber das ist ein klassisches Szenario bei einer „Ein-Mann-Produktion“.
Siehst du einen Unterschied zwischen analoger Fotografie als eher künstlerisches Medium und Video als etwas eher Marketing-/Business-orientierten oder wie gehst du an diese verschiedenen Disziplinen heran?
Hm, würde ich nicht sagen! Ich finde eher, dass Video einfach ein größeres Spielfeld zum Spielen eröffnet. Ich glaube, dass Videografie genauso kreativ sein kann wie Fotografie; es kommt alles auf deine Skills, deine Vision und die Medien an, mit denen du arbeitest. Für mich persönlich ist der Workflow einfach unterschiedlich; bei Filmfotografie brauche ich manchmal einen Moment; beim Filmen hingegen habe ich nie eine Sekunde Pause, wenn es ums Dokumentieren geht. Analoge Fotografie spielt heute eine große Rolle in der Fashion-Fotografie, und Video ist zu einem extrem starken Kommunikationsmittel geworden, egal in welchem Bereich man arbeitet. Gleichzeitig braucht es aber auch eine deutlich größere finanzielle Investition, weshalb man damit auch mehr Geld verdienen kann (und sollte).

Apropos Surfen: Wie waren die Wellen in Hawaii? Warst du schon surfen oder hast du nur gefilmt?
Es war eine großartige Saison an der North Shore, aber wir kamen erst gegen Ende an. Wir haben ein paar Tage lang gute Wellen in Pipe beobachtet und einige furchterregende Geschichten gehört. Viele Leute haben sich in dieser Saison verletzt – größere Wellen bringen auch größere Verantwortung mit sich. Ich habe auch einen großen Tag in der Waimea Bay miterlebt, wo der Eddie Big Wave Invitational stattfindet. Ich hatte großes Glück, dabei sein zu dürfen!
Im Moment hat sich die Lage mit den klassischen hawaiianischen Passatwinden und Regen geändert, aber man kann immer noch eine gute Session haben, wenn die Sonne hinter dem Berg hervorkommt. Ich bin zum ersten Mal auf Hawaii und … was soll ich sagen, kein Wunder, dass dies die Geburtsstätte des Surfens ist! Es ist nicht nur Teil der Kultur und Traditionen; ist es eher wie eine Religion hier.
Ich habe hauptsächlich gefilmt, aber natürlich bin ich auch gesurft – ein paar gute Sessions an Tagen mit kleineren Wellen. Das habe ich wirklich gebraucht!
Erzähl uns von deinen letzten unvergesslichen Surf Sessions und welche Boards du dabei gesurft bist!
Die unvergesslichste Session war eigentlich erst vor etwa einer Woche. Wir sind an einigen weniger bekannten Wellen auf der Insel gesurft, und ich bin ein 8'6"-Mini-Log gefahren und hatte unglaublich viel Spaß. Es waren nur wenige Leute im Wasser, hauptsächlich Freunde, sodass jeder jede Menge Wellen abbekommen hat. Umgeben von der Schönheit der Insel habe ich riesige Wale beobachtet, die nacheinander aus dem Wasser gesprungen sind … ziemlich surreal.
In den letzten sechs Monaten war ich meistens nicht im Wasser, weil ich mich auf die Dreharbeiten konzentrieren musste. An manchen Tagen im Sommer bin ich einen 9-footer gesurft, und erst kürzlich habe ich ein 7'2"-Twin-Fin bekommen, das von Charles Mencel in New Jersey geshaped wurde. Hoffentlich werde ich damit bald jeden Tag surfen!
Gibt es ein surfbezogenes Projekt oder eine Reise, auf die du dich gerade besonders freust?
Simon Hetrick und ich arbeiten gerade an einer neuen Folge für sein Projekt „See You Next Time“. Die neue Folge heißt „Marketplace“. Wir haben an der Ostküste mit den Dreharbeiten begonnen und arbeiten derzeit am Hawaii-Teil. Es ist ein ziemlich spannendes Projekt, weil wir mit einigen OGs der Branche zusammengearbeitet haben und schon seit einigen Monaten daran drehen!
Was inspiriert dich beim Surfen und an der Kunst? (Du kannst gerne ein paar YouTube-Videos oder Instagram-Accounts nennen.)
Luka R und seine Arbeit an „Juju The Surf Musical“
Dieser neue Film über analoge Fotografie
Letzte Frage: Welchen Rat würdest du jemandem geben, der seiner Leidenschaft folgen und ein erfüllteres Leben in der Nähe des Meeres führen möchte?
Sei bereit – es ist nicht einfach, aber es lohnt sich auf jeden Fall! Ich glaube nicht, dass es im Leben etwas Unmögliches gibt. Wenn du eine Idee davon hast, was du ändern möchtest, solltest du es einfach versuchen. Am besten ist es, einen Plan zu erstellen, wie du diese Idee Schritt für Schritt verwirklichen kannst. Schau, ob du deine Fähigkeiten an deinem neuen Zielort einsetzen kannst. Wenn nicht, überlege dir, wie du deinen Lebensunterhalt sichern kannst. Achte darauf, dass du etwas tust, das dir Freude bereitet, damit du den Ort am Ende nicht hasst und vergisst, dass es einst dein Traum war. Sorge dafür, dass du Freunde hast, bei denen du dich zu Hause fühlst, und dass du der Gemeinschaft, der du beitreten wirst, etwas zu bieten hast, denn sie wird zu deiner neuen Familie werden. Und letzlich, versuch es einfach. Du wirst es nie wissen, wenn du es nicht versuchst.
Danke, Eli!
Schau dir den „Camel Clip“ an und freu dich auf deinen nächsten Surftrip nach Marokko!




